Nokia Lumia 920 – droht Shitstorm wegen gefälschten Video und Fotos?

Am 5. September hat Nokia zusammen mit Microsoft das Lumia 920, inklusive Windows Phone 8,  mit großem Tamtam vorgestellt. In dieses Smartphone legt Nokia große, wenn nicht sogar existenzielle Hoffnungen doch noch den Abstutz in die Bedeutungslosigkeit auf dem Smartphone-Markt zu verhindern. Samsung, Google und Apple dominieren diesen Markt, Nokia hat den Zug verschlafen.

Mit dem Lumia 920 soll nun Boden Wett gemacht werden. Insbesondere die Kamera mit der sogenannten PureView-Technologie und Bildstabilisator (OIS = Optical Image Stabilizer), die auch gute Bilder bei schlechten Lichtverhältnissen machen soll, wird besonders hervorgehoben.

So weit, so gut.

Die Produktpräsentation des Lumia ging gründlich daneben

Nicht nur, dass Nokia Antworten auf Preis und Verkaufsstart schuldig blieb, auch hat Nokia eingestanden, dass bei einem Video mit dem Bildstabilisator getrickst wurde, wie pocketnow.com berichtet. Dort findet sich auch gleich folgendes Bild dazu:

Dumm, dass man in der Verspiegelung erkennt, dass das Video aus einem fahrenden Transporter mit einer anderen Kamera aufgenommen wurde. Zur Ehrenrettung sei hinzugefügt, dass Nokia in der angesprochenen Entschuldigung dennoch auf ein Video verweist, welches tatsächlich die Bildstabilisierung der Lumia 920 demonstriert.

Es geht noch schlimmer

Nun kursieren die ersten Berichte, denen zufolge die auf der Produktvorstellung  präsentierten Bilder gar nicht mit der Lumia 920, sondern mit einer Spiegelreflexkamera aufgenommen worden sein sollen. Mobilegeeks verweist auf einen  Bericht von Youssef Sarhan. Er beschreibt, dass es in Helsinki, wo die Bilder aufgenommen wurden, nicht solche Lichtverhältnisse gibt (linkes Bild) und auch die Strahlen der Lichter nur mit einer Spiegelreflexkamera zu Stande kommen (rechtes Bild).

Einen vermeintlichen Beweis liefert er auch gleich dazu: In dem zufälligerweise aufgenommenen Bild des Fotoshootings sieht man ganz links in der Mitte das Objektiv der Spiegelreflexkamera.

Es läuft nicht gut für Nokia. Keine Preise, keine Termine, die ersten Kommentare zu dem Lumia 920 sind nicht berauschend, der Aktienkurs bricht nach der Produktvorstellung ein, und dann noch die Vorwürfe zum gefakten Video und Bildern.

Eine erfolgreiche Markteinführung sieht anders aus

Es hat sich wieder mal bewahrheitet. Wenn kommuniziert wird, dann richtig:

  • umfassend kommunizieren: dazu gehört natürlich Preis und Verfügbarkeit, nicht nur Features.
  • ehrlich kommunizieren: es kann ja sein, dass man sich aus technischen Gründen mit Spiegelreflex- oder Videokameras behelfen muss – dann muss man das aber auch sagen. Lieber ehrlich von Anfang an, als hinterher Krisenkommunikation betreiben zu müssen.
  • schnell kommunizieren: wenn ein Faux-pas passiert ist, dann schnell reagieren. Das zumindest hat Nokia in puncto Video getan. Und auch zu den Fotos hat Ben in dem Beitrag von mobilegeeks umgehend Stellung bezogen.

Und gerade dann, wenn für das Unternehmen so viel von einem erfolgreichen Verkaufsstart abhängt, wie das bei Nokia (und auch Microsoft) der Fall ist, darf so etwas nicht passieren.

Bleibt nur zu hoffen, dass sich doch noch alles in Wohlgefallen auflöst und das Lumia die in es gesetzten Erwartungen gerecht wird.

Update 11.09.2012: Ben Lampe, Sprecher von Nokia, hat via mobilegeeks nun offiziell Stellung bezogen und sich im Namen von Nokia dafür entschuldigt, dass sowohl im Film als auch bei den Fotos nicht deutlich kenntlich gemacht wurde, dass die Aufnahmen nicht mit der Lumia 920 erstellt wurden. Damit sollte dann auch gut sein.

Über Christoph (187 Posts)

betreibt Marktding.de. Ausserdem ist er B2B-Marketer und Stratege mit einer Vorliebe für Wachstumsstrategien und der Entwicklung und Vermarktung von Dienstleistungen und technischen Produkten. Sein besonderes Faible gilt der Entwicklung von produktbegleitenden Dienstleistungen. Mehr über Christoph hier im Blog.


Zuletzt aktualisiert am 03.11.2015

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