Warum es für Unternehmen keine Alternative zu Wachstum gibt

Wachstum auf Chart skizziert

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Wachstum ist das Maß aller Dinge für die meisten, wenn nicht sogar alle Unternehmen. Ich kenne kaum ein Unternehmen, welches bewusst eine Schrumpfungsstrategie verfolgt. Ein paar wollen nicht weiter wachsen. Die meisten jedoch haben sich eine Wachstumsstrategie verordnet: 3% mehr Marktanteil, 5% mehr Absatz, 10% mehr Umsatz lautet die Devise. Aber warum ist das so? Warum ist das Erreichte nicht ausreichend? Warum muss es immer mehr, größer und internationaler sein?

Die Antworten liegen auf der Hand, wenn man sich überlegt, warum Unternehmen überhaupt existieren und wie sie ihre Existenz in der Zukunft sicherstellen können.

1. Wachstum als Existenzgrundlage für Unternehmen

“In diesem Land musst du so schnell laufen wie du kannst, um an der gleichen Stelle zu bleiben. Und wenn du woanders hin willst, dann musst du mindestens doppelt so schnell laufen” (Lewis Carroll, Alice im Wunderland)

Unternehmen existieren, um Gewinne zu erwirtschaften, damit sie auch morgen noch existieren können. Und das können sie nur, wenn sie sich im Wettbewerb besser behaupten als andere Unternehmen. Das bedeutet: besser, schneller, größer, profitabler zu sein oder zu werden als die Wettbewerber. Wie Lebewesen haben auch Unternehmen einen Selbsterhaltungstrieb. Und um dem gerecht zu werden, ist Wachstum ein probater Weg.

2. Mehr Profitabilität durch Wachstum

Grundsätzlich führt Wachstum zu Fixkostendegression und Lernkurveneffekten, damit zu mehr Profitabilität. Ein Prinzip-Beispiel: Wenn mein Unternehmen 100 Schrauben im Jahr verkauft, so muss ich 1 Einkäufer für Stahl beschäftigen, 1 Fabrikhalle haben und 1 Maschine kaufen und betreiben. Der Gewinn aus dem Verkauf der 100 Schrauben muss die Kosten für den Einkäufer, die Halle und die Maschine decken. Schaffe ich Wachstum mit meiner Firma und kann 1.000 Schrauben verkaufen, so verteilen sich die Kosten eben auf 1.000 anstatt 100 Schrauben – natürlich unter der Annahme, dass es für den Einkäufer keinen Mehraufwand bedeutet, Stahl für 1.000 Schrauben einzukaufen und die 1 Maschine auch 1.000 Schrauben produzieren kann.

Gleiches gilt bei dem Lernkurveneffekt – je häufiger man eine Tätigkeit durchführt, desto leichter und effizienter geht es von der Hand.  Wenn der Ingenieur seine erste Schraube  konstruiert, wird es noch sehr mühsam sein. Macht er es zum x-ten Mal, so wird er mehr Routine haben und damit produktiver und profitabler arbeiten können.

3. Die Marktanteile von heute bestimmen die Marktposition von morgen

Gerade in einem wachsenden Markt ist es von entscheidender Bedeutung, wie schnell das Unternehmen wachsen kann. Wächst es langsamer als die Wettbewerber, so sinken seine Marktanteile, wächst es schneller als der Markt, so steigen die Marktanteile. Jeder kann sich einen Teil vom wachsenden Kuchen nehmen. Sobald das Marktwachstum abnimmt, der Kuchen also nicht mehr größer wird, beginnt der Verdrängungswettbewerb. Die Unternehmen, die in der Vergangenheit am meisten gewachsen sind, besitzen den größten Marktanteil und somit die beste Ausgangsposition, sich im Verdrängungswettbewerb zu behaupten.

4. Kunden vertrauen großen Unternehmen

Hohe Marktanteile zu haben nicht nur statistisch eine positiven Effekt auf die Profitabilität, sondern geben Kunden auch eine Sicherheit. Wenn der Kunde – gerade in einem fragmentierten Markt – die Wahl zwischen mehreren Anbietern hat, wird er – vergleichbaren Preis und Produktqualität vorausgesetzt – eher bei dem größeren und bekannteren Unternehmen kaufen. Frei nach dem Motto: “Wenn ich mir unsicher bin, kaufe ich mal dort, wo es viele andere auch tun. Das wird schon nicht verkehrt sein.”

Früheres Wachstum zieht also weiteres Wachstum nach sich.

5. Kunden vertrauen starken Marken

Mit der Größe kann, muss aber nicht, die Marke als Kauftreiber einhergehen. Nach einer McKinsey-Studie vertrauen B2B-Einkäufer starken Marken (zusammen mit der Qualität der Kommunikation des Unternehmens), da sie das Risiko eines Fehlkaufes geringer einschätzen und gleichzeitig positive Abstrahleffekte für das eigene Unternehmen erhoffen.

Fazit: es gibt keine Alternative zu Wachstum

Und Wachstum ist nichts Schlechtes. Das Unternehmen muss aber führbar bleiben. Einige, gerade inhabergeführte mittelständische Unternehmen entscheiden sich gegen Wachstum, da der Unternehmer als Geschäftsführer es sich nicht zutraut ein größeres, internationaleres Unternehmen zu leiten. Einer solchen Entscheidung gebührt enormer Respekt. Diese gesunde Selbstreflexion findet sich aber eher selten bei angestellten Geschäftsführern, die die Unternehmensleitlinien – wie Wachstum – vorgegeben bekommen und nicht mit eigenem Kapital verantworten.

Wie sieht es bei Dir aus? Wachstum um jeden Preis?
Über Christoph (185 Posts)

betreibt Marktding.de. Ausserdem ist er B2B-Marketer und Stratege mit einer Vorliebe für Wachstumsstrategien und der Entwicklung und Vermarktung von Dienstleistungen und technischen Produkten. Sein besonderes Faible gilt der Entwicklung von produktbegleitenden Dienstleistungen. Mehr über Christoph hier im Blog.


Zuletzt aktualisiert am 04.11.2015

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3 Responses to Warum es für Unternehmen keine Alternative zu Wachstum gibt

  1. Christian Jacob 10. September 2017 at 22:35 #

    Ich kann alle Deine Punkte nachvollziehen, bis auf Deine Eingangsthese: “Unternehmen existieren, um Gewinne zu erwirtschaften, damit sie auch morgen noch existieren können.”

    Warum “These”?

    Nun, wo kommt dieses oft zitierte Mantra eigentlich her? Ich glaube nicht, dass Gewinne zu erwirtschaften der primäre Zweck von Unternehmen ist.

    Wenn überhaupt handelt es sich dabei -aus meiner Sicht – um eine sekundäre Folge eines erfolgreich geführten Unternehmens, dessen Daseinsberechtigung sich am Kundennutzen orientiert.

    • Christoph 11. September 2017 at 18:18 #

      Hi Christian,
      Danke für Deinen Kommentar. Du hast natürlich auch recht – ohne Kundennutzen kein Produkt und kein Umsatz.
      Aber das eine schließt das andere ja nicht aus.
      Wie fändest Du es, wenn Du ein Unternehmen hättest, welches nur Verluste produziert (von Liebhaberei und vermeintlichen Steuersparmodellen mal abgesehen)?
      Ich könnte mir das auf Dauer nicht leisten 😉

      Grüße
      Christoph

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  1. Anonymous - 22. Dezember 2016

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