10stamps ist die digitale Bonus-Stempelkarte

10stamps beim QR-Code scannen

Quelle: 10stamps

Kürzlich bin ich gebeten worden, für die Zeitschrift webselling eine Bewertung von Geschäftsmodellen aus Marketingsicht vorzunehmen, u.a. von 10stamps, einem Anbieter von virtuellen, digitalen Bonus-Stempelkarten sowie GrandArtClub (Verleih von Kunstwerken). Mein Sermon wurde in dem Artikel “Zwölf Ideen” in der Webselling 2/2013 (S. 28 – 33) verarbeitet. Diesen Artikel – mit Berichten zu einigen weiteren innovativen Startups – gibt’s hier zum Download als PDF (Freigabe zur Veröffentlichung auf Marktding durch den Verlag erteilt).

Ergänzend dazu gibt es hier nun die ausführliche Beschreibung von 10stamps – ebenfalls mit Freigabe des Verlages. (Bericht zu GrandArtClub findet sich hier.)

Was ist 10stamps?

10stamps ersetzt die klassischen Bonus-Stempelkarten („Bezahle zehn, erhalte eins gratis“) durch eine Smartphone-App. Sie bündelt die digitalen Stempelkarten verschiedener Geschäfte, die Partner von 10stamps sind. Nach dem Kauf eines Produkts oder einer Dienstleistung kann der Nutzer an der Kasse einen QR-Code mit seinem Smartphone scannen und erhält so einen Stempel. Bei zehn Stempeln, bekommt er vor Ort eine Prämie oder eine Vergünstigung, beispielsweise einen kostenlosen Kaffee. Partnerunternehmen können ihren Kunden über die App außerdem auf besondere Angebote aufmerksam machen. Der Endkunde kann zusätzlich digitale Stempel über Facebook oder von Smartphone zu Smartphone verschicken und somit Empfehlungen an seine Freunde aussprechen, zum Beispiel für seinen Lieblingsbäcker.

Aufsteller mit QR-Code von 10stamps

Quelle: 10stamps

10stamps-Partner bekommen ein Gesamtpaket, mit dem sie innerhalb von 24 Stunden starten können. Sie werden mit QR-Codes und Marketing-Infomaterialien versorgt und in das Partnernetzwerk aufgenommen. Für die Nutzung von 10stamps müssen sie eine monatliche Gebühr bezahlen. Diese variiert je nach Leistungsumfang und Größe des Partnerunternehmens, ob es sich also beispielsweise um ein einzelnes Geschäft oder eine ganze Kette handelt.

10stamps spricht dementsprechend zwei Zielgruppen an. Unternehmenspartner wie Bäcker, Restaurants oder Friseure können die App als Kundenbindungs- und Kundengewinnungsinstrument nutzen. Endkunden auf der anderen Seite erhalten durch die App Boni und Vergünstigungen.

Stand Dezember 2012 hat 10stamps mehr als 100.000 Nutzer und ein Partnernetzwerk mit über 1.000 Annahmestellen in der DACH-Region, darunter Coffee Fellows und Sushi Circle.

Meine Meinung zu 10stamps

Kundenbindung ist der Schlüssel zum Erfolg, weiss jeder Bäcker, Friseur und Restaurantbesitzer. Da kommt das „out of the box“-Bonusprogramm von 10stamps passend daher und in Null-komma-nix hat man sein eigenes Kundenbindungsinstrument. Allerdings ein recht teures, wenn man die monatlichen Gebühren mit den Kosten für traditionelle Stempelkarten vergleicht.

Screenshot 10stamps App

Quelle: 10stamps

Und: Stempelkarten sind in der Handhabung immer noch einfacher und schneller. Bei 10stamps heisst es Handy raus, App starten, Händler sucht seine 10stamps-Karte, QR-Code fokussieren – da kann die Warteschlange hinter einem schon mal unruhig werden. Und bezahlt ist immer noch nicht. Das könnte sicher einfacher gehen – Aufsteller mit QR-Code, Stempeln, während man in der Warteschlange steht und – um Missbrauch vorzubeugen –  nur einmal stempeln täglich pro Geschäft. Gelöst ist dann aber immer noch nicht das Problem, dass sich QR-Code kopieren lassen und man dann jederzeit und überall stempeln kann.

10stamps steht auch nicht ohne Wettbewerb (z.B. Snipscan oder Stampr) da. Kein Anbieter hat bislang einen entscheidenden USP. Und der Markt ist ein „Winner takes it all“-Markt – der Anbieter der zuerst die kritische Masse an Partnern und Nutzern hat, wird immer mehr Partner und Nutzer anziehen. Es ist ein mühsames, aber notwendiges Geschäft, die Partner zu akquirieren. Über den Weg der Provisionierung von „freien Mitarbeitern“ bei Partnerakquise ist 10stamps richtig unterwegs, könnte das aber noch stärker promoten.

10stamps ist irgendwo zwischen Payback und foursquare – warum sich nicht an beide anlehnen? Bonus auch in anderen Geschäften einlösen und in der App teilnehmende Partner in der Umgebung sehen? Und Partner bekommen Infos, wer bei Ihnen einkauft – datenschutzkonform, natürlich.

Und wenn mobile payment flächendeckend verfügbar ist, dann kann 10stamps so richtig durchstarten (oder sogar zur Verbreitung von mobile payment beitragen). Bis dahin bietet das Geschäftsmodell Potential für die Umsetzung vieler Ideen. Ich hoffe drauf.

Kennst Du 10Stamps? Schon mal ausprobiert?
Über Christoph (185 Posts)

betreibt Marktding.de. Ausserdem ist er B2B-Marketer und Stratege mit einer Vorliebe für Wachstumsstrategien und der Entwicklung und Vermarktung von Dienstleistungen und technischen Produkten. Sein besonderes Faible gilt der Entwicklung von produktbegleitenden Dienstleistungen. Mehr über Christoph hier im Blog.


Zuletzt aktualisiert am 02.11.2015

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3 Responses to 10stamps ist die digitale Bonus-Stempelkarte

  1. Mirko 6. Oktober 2016 at 13:32 #

    Ich habe die App schon seit ca. 2 Jahren auf meinem Smartphone und konnte bisher einmal einen kostenlosen Kaffee bekommen. Das Programm selber finde ich sehr gut und auch recht einfach, jedoch fehlt es sehr an Partnern wo man Stempel sammeln kann. Warum sollte man auch in ein externes System investieren wo man heutzutage noch nicht weiss ob es einem was bringt? Die bisherigen Partner, die ihren monatlichen Betrag zahlen scheinen ausserdem selber kaum Interesse an dieser Kundenbindung zu haben, denn bisher habe ich es so erlebt, dass erstens bei den Partnern die Kunden nicht auf 10Stamps hingewiesen werden und zweitens teilweise nicht einmal das Personal weiss was man will, wenn man gerne den 10Stamps QR-Code scannen möchte.
    Ich denke das viele Geschäfte ihr bisheriges Treueprogramm in Form eigener Stempelkarte auch nicht umstellen werden, da 10Stamps wie beschrieben eine monatliche Gebühr kostet und durch den demographischen Wandel die älteren Menschen immer älter werden und sich daher durch eine Umwandlung des Treueprogramms eher davon abschrecken lassen, sofern sie mit den neuen Trends nicht klarkommen oder sie nicht annehmen wollen. Es könnte also die älteren Kunden sehr verwirren oder sogar als Kunden abschrecken wenn sie nicht mehr ihren alten Gewohnheiten mit der Stempelkarte nachkommen können.

  2. Carsten 4. Juni 2013 at 19:30 #

    Hallo Christoph,

    habe Deinen Blog-Artikel mit Spannung gelesen. Ich teile Deine Meinung, dass es in vielen Branchen zukünftig ohne eine intelligente Kundenbindung nicht mehr gehen wird. Es gibt übrigens ein Produkt, das genau die von Dir herausgearbeiteten Schwächen vollständig gelöst hat. Schau mal unter http://www.bonVito.net. Produkt ist vollständig in die Kasse integriert und bietet neben Stempeln noch weitere Werkzeuge zur Kundenbindung.

    Gruß
    CARSTEN

    • Christoph 4. Juni 2013 at 20:57 #

      Hallo Carsten,
      danke für Deinen Hinweis zu bonVito – werde ich mir mal anschauen.

      Grüße
      Christoph

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