Uber: Taxifahren mit nachfrage-orientierter Preisbildung

Kleiner Junge mit ChauffeursmützeAls ich kürzlich mit einem Kollegen per Flieger in Richtung Berlin unterwegs, meinte dieser, wir sollten bei Ankunft doch mal “Uber” ausprobieren. “Uber – da fehlt doch ein Doppelpunkt über dem U. Und was soll das überhaupt sein?” war meine Antwort.

Ich liess mich aufklären. Uber – ohne “Punkte” – ist ein Limoservice mit einem innovativen Geschäftsmodell. Uber setzt konsequent modernste Methoden und Techniken ein. Zentrales Element ist eine App für Kunden und Fahrer. Mein Kollege hatte sich vorab registriert, dabei die obligatorische Kreditkarte hinterlegt und die App installiert. Kaum aus dem Flugzeug ausgestiegen, konnte er buchstäblich auf Knopfdruck ein Fahrzeug ordern – die App wusste ja, wo wir sind. Es gab noch die Nachfrage, ob wir lieber den Audi, der in 5 Minuten da sein kann oder den Mercedes (in 8 Minuten) nehmen wollten. Klar entschieden wir uns für den Mercedes.

Warten (auch nicht länger als an der Taxischlange), Einsteigen, Losfahren, Aussteigen. Das war’s. Kein Bargeld, keine defekten Kartenleser im Taxi, keine Quittung – kommt alles automatisch per Mail (obwohl ich ja auch schon positive Erfahrungen mit Taxen gemacht habe).

Und was kostet des? Auch nicht viel mehr als das normale Taxi – ca. 10 -15% haben wir mehr bezahlt, geschätzt. Aber sehr unkompliziert und komfortabel gefahren (worden).

Die App ist genauso für den Fahrer aber das zentrale Element – hier bekommt er (oder wie in unserem Fall: sie) die Fahrtanforderungen der Kunden mitgeteilt und wickelt die Dokumentation (Fahrtbeginn, Fahrtende, etc.) darüber ab. Ebenfalls einfach unkompliziert.

Uber: ein flexibles Preismodell

Uber versteht es , die Preise situationsbedingt anzupassen. Das Standardpreismodell für Berlin heisst: €4,50 Starttarif + 55ct/Min bei langsamer (<18 km/h) Fahrt, ansonsten €1,80 pro km. Aber auf der Webseite steht auch: “In Stoßzeiten werden unsere Preise zur Gewährleistung der Verfügbarkeit der Fahrzeuge angepasst.”

Was das konkret bedeutet, konnte z.B. die Kunden in New York in der Silvesternacht erfahren: Aufgrund erwartet großer Nachfrage hat Uber die Preise deutlich angehoben.

Chart über die Preisanpassung von Uber Silvester 2013

Uber: Preisanpassung Silvester 2013
Quelle: Uber

Gleiches passierte während eines Schneesturms am 14.12.2013 an der Westküste der USA: Preiserhöhungen um das 7-8fache. Der fairnesshalber sein hinzugefügt, dass die Kunden natürlich vorab über die Preisanpassungen informiert werden.

Der Preis reguliert die Nachfrage

Begründet werden die Preiserhöhungen damit, dass sie als Regulativ funktionieren: Um die schnelle Verfügbarkeit der Fahrzeuge auch in Stosszeiten und bei hoher Nachfrage sicherstellen zu können, muss entweder kurzfristig das Angebot ausgeweitet (bei Uber nicht möglich) oder die Nachfrage reduziert werden. Das geschieht über den Preis.

Klassische BWL, in der Praxis umgesetzt. Schön. Einfach.

Nach unten geht es aber übrigens auch: Um in Berlin wettbewerbsfähig zu bleiben, hat Uber im Herbst 2013 die Preise nach unten korrigiert.

Alles in allem, ein schön umgesetztes Geschäftsmodell. Es scheint einfach, stringent und unter Einsatz moderner Technologie. Gefällt mir.

Update: Bei deutsche-startups gibt es ein lesenswertes Interview mit Jens Wohltorf, dem Geschäftsführer von Blacklane, enem Uber-Konkurrenten. Auch das Thema Preisfindung wird angesprochen.

Kennst Du Uber? Oder einen anderen Chauffeurservice? Deine Erfahrungen?
Über Christoph (185 Posts)

betreibt Marktding.de. Ausserdem ist er B2B-Marketer und Stratege mit einer Vorliebe für Wachstumsstrategien und der Entwicklung und Vermarktung von Dienstleistungen und technischen Produkten. Sein besonderes Faible gilt der Entwicklung von produktbegleitenden Dienstleistungen. Mehr über Christoph hier im Blog.


Zuletzt aktualisiert am 05.06.2014

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